|
Ob Holz, Glas oder Stoff – bedrucken lässt sich heute fast jede Oberfläche, die Möglichkeiten scheinen unbegrenzt dank digitaler Druckverfahren.
Die viscom, Internationale Fachmesse für visuelle Kommunikation, die vom 4. bis 6. November in Frankfurt stattfindet, zeigt eine große Auswahl an Anwendungsbeispielen und die dazugehörige Technik. Ein Beispiel aus der Praxis: Lebendiges Glas
In einer renovierten Gründerzeitvilla am Stadtrand von Chemnitz entstehen nach einem eigens entwickelten Spezialverfahren Glasdrucke als Einzelstücke und in Kleinserien – haltbar, farbenfroh und doppelseitig.
Bedrucktes Glas liegt im Trend – ein Glück für Glaviva. Denn durch Inkjet-Druck ist es erstmals möglich, auch kleine Glasflächen zu einem wirtschaftlichen Preis zu bedrucken, oder aber große Fassaden zu realisieren, bei denen jedes Teil mit einem unterschiedlichen Motiv bedruckt ist. Doch Glaviva kann noch mehr.
Durch die geschickte Kombination von Weiß und vierfarbigen Drucktinten ist man dort in der Lage, sowohl opake als auch transluzente Farben gleichzeitig direkt auf Glas drucken. »Das kann derzeit unseres Wissens nach kein anderer«, erklärt Wolfgang Dehmel nicht ohne Stolz.
Als Leiter des Glaviva-Büros in Paderborn kümmert sich der gelernte Grafiker vor allem um das Design und die Aufbereitung der Daten. Den größten Vorteil sieht er in der Präzision, die das im Unternehmen eingesetzte Verfahren erlaubt:
»Weil wir den Weißdruck in einem Durchgang und ganz präzise setzen können, sehen unsere Glasbilder auf beiden Seiten identisch aus – das ist etwa bei Türen oder Trennwänden wichtig und mit anderen Herstellungsformen so nicht möglich.«
Im Eigenbau zum Präzisions-Glasdruck
Doch bis man bei Glaviva über dieses Know-How verfügte, investierte das Unternehmen eine Menge Zeit und Arbeit. So musste Dehmel, der nicht nur Grafiker ist, sondern auch über viel Erfahrung in der Glasindustrie verfügt, für den im Hause eingesetzten Flachbettdrucker von Mimaki etwa eine alternative Ansteuerung entwickeln.
Auch für die Aufbereitung der Bilddaten zum Druck fand er eine eigene Lösung. Doch das alles nutzt nichts, wenn man den schwierigen Werkstoff Glas nicht richtig behandelt – denn der lässt sich nicht ohne weiteres im Inkjet-Druck verarbeiten, zumindest dann nicht, wenn das Ergebnis mehrere Jahre haltbar sein soll. »Zuerst kommt die Auswahl der richtigen Sorte«, erklärt Dehmel.
»Normales Float-Glas, wie es auch für Fensterscheiben benutzt wird, ist für viele Anwendungen zu grünstichig, deshalb wählen wir für die meisten Motive klares Optiwhite.«
Das wird dann in der eigenen Anlage zum Sandstrahlen vorsichtig behandelt, um so auch kleinste Verunreinigungen von der Oberfläche zu entfernen. Anschließend geht es in eine Glaswaschanlage, dort wird es auch poliert. Über einen Kipptisch gelangt das Werkstück dann in den Druckerraum. Die dort aufgebrachten Motive sind erstaunlich robust, wie Geschäftsführer Matthias Lingott erklärt: »Glas absorbiert 95 Prozent der UV-Strahlung, so dass die Bilder auch nach mehreren Jahren kaum an Brillanz einbüßen.«
Für den Außeneinsatz wird der Druck trotzdem immer in Verbundglas laminiert. Das geschieht in einer großen, »Autoklave« genannten Maschine – und sorgt dafür, dass das Motiv von beiden Seiten durch eine Glasschicht geschützt ist.
Luxusglas für gehobene Ansprüche
So viel Sorgfalt wissen auch die Kunden zu schätzen – vor allem im gehobenen und Luxussegment tätige Bauherren zählen zu den Abnehmern. Aber auch in Wellness-Tempeln, Apartmentresidenzen und Hotels wird Glaviva-Glas verbaut.
»Bedrucktes Glas ist nicht nur faszinierend farbig, sondern auch pflegeleicht und hygienisch«, erklärt Lingott. »Weil wir auch Einzelstücke und Kleinserien ohne Aufpreis anbieten können, eröffnen sich Architekten und Innengestaltern ganz neue Möglichkeiten.«
Doch auch bildende Künstler verwenden gerne den Glasdruck für ihre Werke, um ihre Motive in unvergleichlicher Leuchtkraft und auf hochwertigem Material zu präsentieren. »Der Megatrend Individualisierung macht auch vor Glas nicht Halt«, da ist sich Dehmel sicher.
Alle Infos zur viscom gibt es auf der Internetseite www.viscom-messe.com
Bild: Reed Exhibitions Deutschland GmbH
|